Diese geheimnisvolle, über zwei Monate währende Pause wird hoffentlich eines Tages die Keimzelle
vieler Mythen über mein Leben sein. Forscher werden sich fragen, was um Gottes Willen ich in
dieser Zeit getan habe, und sie werden obskure, wie versehentlich gestreute Referenzen in meinen
späteren Schriften auswerten, um Vermutung auf Vermutung zu häufen wo ich war, was ich dort tat,
mit wem und warum. Mein persönlicher Weg zur Legende erfordert, dass ich selbst mich über die
vergangene Zeit ausschweige, sowie über meine Gründe, mich darüber auszuschweigen. Das will ich
tun, abgesehen von den schon erwähnten, wie zufälligen Referenzen (wzR). Nun habe ich ein
Geheimnis geschaffen, und darf ihm beim Wachsen zusehen, hihi.
Kein Geheimnis ist hingegen, dass ich mich diese Woche wieder in Garching befinde. (Auf die erste
wzR, das bedeutungsschwere "wieder" in diesem Satz, weise ich hiermit noch hin, doch jetzt
ist's genug.) Das Denken und damit das Arbeiten ist bei der momentanen Bruthitze allerdings stark
erschwert bis leicht unmöglich. Es ist viel zu heiß und viel zu feucht dafür; und dabei ist es
dank heftiger Gewitter letzte Nacht eigentlich schon besser geworden. Gegen 21:00 beobachtete ich
das beeindruckende Phänomen einer Gewitterwolke am Horizont, die von ihren eigenen Blitzen quasi
stroboskopisch beleuchtet wurde. Das eigentliche Unwetter wälzte aber eher langsam heran (ich
kenne das von früher, und ich habe es wirklich nicht vermisst), während ich noch durch
Garching stromerte, ein paar Leute traf, heimkam und schon mal ein wenig vor der offenen Balkontür
schlief, bis das Gewitter und damit der Wind und der Regen gegen 0:30 endlich ankamen.
Ich glaube ja, dass man einem Donner anhören kann, ob der zugehörige Blitz im Boden eingeschlagen
ist, oder nur in den Wolken stattgefunden hat. Gestern gab es jedenfalls nur einen eindeutigen
Bodeneinschlag, das meiste passierte in den Wolken, aber da war echt was los. Irgendwann bin
ich dann aber eingeschlafen.
Stephan
So langsam fühle ich mich in dieser Online-Rubrik nicht mehr wirklich zu Hause, und das Schreiben
neuer Einträge vergesse ich nicht nur regelmäßig, sondern es wird mir auch langsam
lästig. Nun ist das vielleicht nur ein Phase, die vergeht, oder auch das nahende Ende dieser
Rubrik. Ich weiß es nicht. Ich ziehe nur die Konsequenz daraus (vorübergehend oder
endgütig), und rücke vom Schema des wöchentlichen Beitrags hiermit ab.
In diesem Sinne bis zum nächsten Mal.
Stephan
Eines meiner Bücher ist gerade von einem USA-Urlaub zurück, es hat gewissermaßen die Gegend
erkundet, in der es spielt. Es ist dorthin mit meiner Mitbewohnerin, eigentlich Ex-Mitbewohnerin
gereist, die gerade nochmal kurz für ein paar Tage in Deutschland weilt, und das Buch erst
mitgenommen und jetzt zurückgebracht hat.
In einer jener sonnigen Morgenstunden erreichte ich den Campus just in dem Augenblick, als
gegenüber des Rechenzentrums ein dhl-Lieferfahrzeug parkte, während sich auf der anderen Straßenseite
ein ups-Auto näherte. Ich ging sofort in Deckung, in der Erwartung, nun auch einmal ein
echtes, westernmäßiges Duell zu sehen zu bekommen, doch die beiden Fahrzeugen fuhren ganz
friedlich aneinander vorbei.
In einer jener eher müden Stunden, die der Arbeit so gerne folgen, hat das amtliche Kennzeichen
eines in meiner Straße geparkten Autos eine echt versaute Assoziation in mir ausgelöst. Dieselbe
stelle ich jetzt nicht ins Netz, sondern rufe lieber meine kreativen Leser dazu auf, doch mal
versaute Autokennzeichen zu erfinden. Den volljährigen Verfasserinnen beiderlei Geschlechst der
Einsendungen sende ich als kleines Dankeschön dann den Original-Wortlaut.
Eine erste Ahnung der Sommersechswochen 2011 vermittelte gestern das erste bemerkenswerte
Sommergewitter des Jahres, das sich einer alten Tradition folgend den Tag der Uniparty hier im
Mathebau ausgesucht hat. Diese Party findet mehr oder weniger jedes Jahr statt (außer letztes
Jahr, davor hieß sie dsp, jetzt heißt sie Unity), und sie fällt eigentlich jedes Mal mit einem
heftigeren Platzregen, Dauerregen oder Gewitter zusammen, jedenfalls seit ich mich daran erinnere.
Gestern war ich mit meiner Freundin und meiner Ex-Mitbewohnerin dort, eigentlich vor allem zum
Shisharauchen und rumalbern. Wir sind aber nur kurz geblieben, auch, weil uns der Regen
gewissermaßen die Pfeife gelöscht hat.
Ansonsten erwiesen sich die beiden vergangenen Wochen als schön, aber recht arbeitsintensiv. An den
Arbeitsrhythmus mit den Einsätzen in München habe ich mich noch nicht so richtig gewöhnt, obwohl
ich immerhin festhalten muss, dass sich der Mittwoch recht gut zum konzentrierten Arbeiten ohne
Internett und Kollegenkontakt eignet. Weitere Steigerungen des Arbeitspensums sind darin begründet,
dass ich mich langsam mal wieder um den Mathewettbewerb für's nahende TUMMS kümmern muss, und dass
ich einen Fehler in einigen älteren Ausarbeitungen gefunden habe, den ich korrigieren musste.
Letzte Woche musste ich außerdem noch einen Chorworkshop vorbereiten, denn am vergangenen
Wochenende war ich auf Gemeindewochenende, und dort habe ich einen Chorworkshop angeboten und
abgehalten.
Erste Gehversuche beim Bestimmen von Wildkräutern, oder eher Wildpflanzen gab es zwischendurch
auch. Außerdem den Entschluss, einen Lebenslauf zu schreiben, koffeinfreien Kaffee und noch vieles
mehr. Nur eines nicht: genügend Schlaf. Das versuche ich dann, in der nächsten Nacht mal
nachzuholen. Gähn.
Stephan
Ab und zu lese ich ganz gerne selber mal im Leben in G, um mich daran zu erinnern, wie schlecht
früher alles war, und dann freue ich mich, wenn ich feststelle, dass manche Geschichten
Fortsetzungen haben. Erinnert sich noch jemand an den Gurkenschäler? Neulich traf ich meine Freundin W* bei einem Brunch
wieder, wo sie unter anderem erzählte, dass der Gurkenschäler jetzt in ständigem Gebrauch ist.
Doch auch das ist nur ein loses Ende das hiermit verknotet werden kann, denn bei dem Brunch waren
auch die Gastgeber der Einweihungsparty, bei der ich letztes Jahr eine schöne Frau kennenlernte
anwesend, sowie besagte schöne Frau selbst. Wir waren am Abend vorher bei einem Die-Happy-Konzert
gewesen, und ließen das nun sozusagen in den Sonntag ausklingen. Meine Freundin W* wiederum
arbeitet mittlerweile bei einer TUM-Einrichtung in der Innenstadt, übrigens genauso wie die
Gastgeberin der Einweihungsparty, eine Ex-Kollegin, deren Weggehen ich hier auch schon mal beklagte.
Es ist sozusagen schön, dass man sich nicht aus den Augen verliert. Aber es kommt noch besser:
Auch ich habe dieses Semester wieder Übungen in der Innenstadt, will sagen in München. Genauer
habe ich dort am Mittwochmorgen eine Besprechung, am Mittwochnachmittag ein Tutorium und dazwischen
Zeit, um zu arbeiten und mich mit alten Bekannten zum Mittagessen zu treffen, wo wir dann über
Gurkenschäler oder sonstwas reden können. Weniger angenehm, leider, ist
die Aussicht auf ein Tutorium am Dienstagnachmittag, so spät, dass ich deswegen jetzt meinen
Xangsunterricht verlegen muss, und durch das Tutorium am Mittwoch kommt Taekwondo am Mittwoch leider
nicht mehr in infrage. Grumpf!
Apropos Taekwondo: Letzte Woche von Dienstag bis Freitag war ich auf Taekwondo-Trainingscamp. Das
ist eine größere Ansammlung von Mitgliedern meiner Taekwondo-Schule, die sich in Österreich
in ein Hotel zurückziehen, um dort täglich mehr zu trainieren, als normalerweise in einer Woche.
Oder jedenfalls habe ich täglich mehr trainiert als sonst in einer Woche, nämlich dreimal jeden
Tag. Als Abschluss durfte ich dann noch die Prüfung zum zweiten Gelbgurt machen, kurz nachdem ich
mir zusammen mit einigen anderen noch die Royal Wedding im Fernsehen angesehen hatte. Davon
abgesehen habe ich es lieber ein bisschen ruhig angehen lassen. Das Hotel hatte zwar auch Sauna,
beheiztes Freibad, kostenloises Leitungswasse und andere Extras zu bieten (Badewanne!), aber
zwischen den Trainingseinheiten habe ich mich doch lieber
ausgeruht oder Kleinigkeiten erledigt. Zum Beispiel die Besichtigung der Anspacher Kirche (leicht
morbide), das
eigenhändige Aufnähen eines Stickers auf einen Dobok (mühselig für einen Anfänger wie mich),
oder einfach Einkäufe (Flüssigkeitsnachschub).
Davor war ich in Berlin, wo ich Ostern mit meiner Freundin und ihrer Familie verbrachte. Sehr schöne
sonnige Tage. Ich habe nicht allzuviel von Berlin gesehen, und was ich gesehen habe, würde den
Eindruck rechtfertigen, dass Berlin in erster Linie ein großer Park mit hier und da ein paar
eingestreuten Häusern und vielen Wasserstraßen ist. Angeblich hat ja Berlin mehr Brücken
als Venedig, das sagen da alle, und mein Eindruck beruht in erster Linie auf einer Bootsrundfahrt
über Spree und Landwehrkanal. Doch war Berlin ohnehin nicht so wichtig, wie ein paar ruhige
gemeinsame Tage, mit Zeit zum Reden und zum Joggen und zum Spinatwaschen und ohne dieses lästige
"arbeiten" jeden Tag.
Und davor liegen zwischen dem letzten Eintrag und Berlin noch zwei Gottesdienste, die ich hier in
Garching musikalisch mitgestaltete, und das offizielle Abschiedsessen meiner Mitbewohnerin. Denn
diese hat mittlerweile ihre Wohnung zwischenvermietet, und
ist beruflich für ein halbes Jahr in die USA gegangen. Dadurch ist mein WG-Leben momentan ganz
schön eingeschränkt, nicht nur, weil ich vorläufig den Zugang zu ihrer Waschmaschine verloren
habe, sondern auch, weil ich den Zwischenmieter auch noch gar nicht getroffen habe. Also fehlt mir jetzt
eine Person, die ab und zu mal für ein halbe Stunde auf ein Bier vorbeischaut. Immerhin darf ich
mich aber für dieses halbe Jahr um das ebenfalls zurückgelassene Auto kümmern, und es auch
benutzen. Das ist bei einigen Sachen, zum Beispiel Fahrten nach Freising, eine nicht unerhebliche
Steigerung von Lebensqualität.
Als eine solche empfinde ich auch den mitlerweile offensichtlichen Beginn des Sommers. Endlich! Ich
freue mich drauf.
Stephan
Als damals die Türken vor Wien wieder abzogen herrschte in Europa, so heißt es, eitel Freude und
Heiterkeit. Es gibt außerdem die Legende, dass dabei 500 Säcke Kaffe zurückblieben, mit denen
dann das erste Wiener Kaffehaus eröffnet und ausgestattet wurde.
Lang, lang ist's her. Heute hingegen: Wenn ich nicht einem
sehr geschmacklosen Aprilscherz aufgesessen bin, hat soeben das osmanische Restaurant in Garching
dichtgemacht. Und das ist eine Schande. Dort gab es wirklich ausgezeichnetes Essen, und nur dort
konnte man einen türkischen Mokka trinken, wenn auch, diese kleine Einschränkung muss gemacht
werden, ohne Kardamom. Ich beklage hiermit bitterlich einen deutlichen und schmerzhaft spürbaren
Rückgang von Lebensqualität in Garching, und das, obwohl das Wetter immer schöner wird. Wie sagte
vorhin ein Kollege: "Das mit dem Osmanen geht dir wirklich nah, oder?" Ja, tut es.
Anderes ereignet sich in Garching, das ich nicht so leicht mit einer Wertung belegen kann
wie die Schließung eines meiner Lieblingsrestaurants. Es entsteht hier ein neues Studentenwohnheim
(wird gerade gebaut), was grundsätzlich mal gut ist. Die Plakate hängen momentan auch überall
aus. Das Konzept ist ein bisschen anders als bei herkömmlichen Wohnheimen (womit ich
jetzt nicht billig, dreckig und versifft meine), man kann die Wohnungen als
Eigentum erwerben, und die gesamte Ausstattung ist, laut den Plakaten und dem Webauftritt
(man suche nach GLC Garching), sehr komfortabel: Dachgarten mit Sauna, Fitnessraum, beheizter
Außenpool, und schmucke kleine Appartements.
Mal ehrlich, liebe Leser, könnt Ihr Euch vorstellen, zeitweise in eine Studentenbude zu ziehen? Ich
rätsele momentan noch über dem Grundriss, wo ich wohl das E-Piano hinstellen könnte, bin aber auf
jeden Fall gespannt, wie sich dieses Bauprojekt entwickelt.
Und das war's auch schon wieder. Ferien sind Ferien.
Stephan
Auf solche Ferien kann ich gewissermaßen auch sozusagen beinahe verzichten. Am Wochenende war
erstmal nix mit Ferien, weil wegen ich musste Orgel spielen. Obwohl eher Klavier spielen, aber
jedenfalls musste ich mich gehäuft in der Kirche aufhalten, weil da Konfirmationen stattfanden. Wie
schon letztes Jahr und im Jahr davor gab es auch diesmal schon am Samstagabend einen Termin, und
dann am Sonntag gleich deren zwei, weil die Kirche immer noch zu klein ist, um alle Konfirmanden
mitsamt ihren Familien und Verwandten aufzunehmen. Diesmal trat Choract auf, also der Chor, wo auch ich
mitsinge. Lustig, denn letztes Jahr war ich am Konfirmationswochenende auch mit denen unterwegs.
Hinterher gingen wir noch gemeinsam Mittagessen. Nach dem Mittagessen ist nun zu
unterscheiden, ...
... was ich letztes Jahr getan habe: Ich fuhr zu einer Einweihungsparty in München und lernte dort
bei einem Knobelspiel eine schöne Frau kennen.
... was ich dieses Jahr vorhatte: Nach Hause gehen, Wanderklotten waschen, eine gute Gegend zum
Bergwandern finden und am nächsten Morgen dorthin fahren. Merke: Das Wetter am Wochenende war schon
eher sommerlich als frühlingshaft. Merke außerdem: Ich hatte mir an den drei folgenden Tagen
Urlaub genommen.
... was ich dieses Jahr getan habe: Nach Hause gehen, hinlegen und einige Stunden schlafen. Danach
mit zwei Freundinnen um die Häuser ziehen und einen ziemlich lustigen Abend verbringen.
So kam es, dass ich erst am Montagmorgen auf der Suche nach einem Wanderziel war. Bestürzt musste
ich feststellen, dass ich gerade dabei war den letzten schönen Tag vor dem Rechner zu vertun. Doch
da war es leider schon zu spät. Am Dienstag kam eine Kaltfront hier an, richtig mieses Wetter, zum
Wandern nicht geeignet. Soweit zu meinen Plänen.
Seitdem verläuft die Woche eher ereignisarm. Da das Wandern nicht stattfand, wurde ich ersatzweise
krank, worüber ich mich im Grunde nur noch mehr ärgerte. Da also mit körperlicher Betätitung
nichts ist, versuche ich gerade, die Woche wenigstens intellektuell zu nutzen. Aber nur, bis ich
wieder Sport treiben darf (will sagen, bis ich mein Antibiotikum aufgebraucht habe, was morgen sein
wird). Und dann geht's dann hoffentlich mal endgültig in die sportliche Sommersaison. Joggen kann
ich wenigstens auch im Regen, und die Berge sind mir hoffentlich nur vorübergehend entwischt.
Stephan
Manchmal geht es, und manchmal geht es nicht. Heute geht es: Ich habe bis vor zehn Minuten geglaubt,
noch einige kompliziertere Rechnungen vor mir zu haben, was meinen Büronachmittag in die Länge
ziehen würde. Stattdessen verpuffte das Problem in einer kleinen Logikwolke und bescherte mir
zusätzlich noch dieses wunderbare Gefühl der Erleuchtung, das eine der Drogen meines Jobs ist.
Kurz, ich bin gerade ziemlich zufrieden mit meiner Arbeit. Da draußen erwartet mich obendrein noch
das schönste Wetter, das man sich für diese Jahreszeit nur wünschen kann. Sonne mit ein wenig
Wind, vielleicht ein kleines bisschen zu warm. Alles in allem verspricht das Wochenende viel. Was es
hält, werden wir sehen.
Nach der etwas längeren Berichtspause darf ich immerhin verkündigen, dass sich meine
Erkältung schon lange und endgültig verzogen hat, so dass ich mittlerweile auch wieder
Sport treibe, vor allem Taekwondo mit wieder wachsender Begeisterung. Es ist nämlich so, dass man
in diesem Sport nach Pausen gerne mal feststellt, dass das alles unheimlich anstrengend und
mühselig ist, so dass
man ein bisschen Zeit braucht, bis man sich darin wieder richtig wohlfühlt. So geschehen gestern.
Nichtsdestotrotz folgen auf Trainingseinheiten momentan normalerweise recht ruhige Abende, verbracht in dem
Bemühen, wieder runterzukommen, wiederum gefolgt von ein Paar Tritten und Fausstößen beim
Zähneputzen. Warum ausgerechnet das Zähneputzen bei mir den Drang auslöst, die Übungen des
Trainings nochmal zu wiederholen, ist mir nicht klar. Ist aber so.
Das sind so die Freizeitgeschichten. An der Uni sind unterdessen ganz klar die Semesterferien im
Gange, und zwar so richtig als Ferien, es ist also kaum noch was los hier. Das gilt leider auch für
mein anekdotisches Leben. Es gibt nicht viel zu erzählen, weil nicht viel passiert ist, und weil
mich selber auch die Ferienstimmung gepackt hält. Deshalb gehe ich mich jetzt mal ein paar Minuten
raus in die Sonne setzen.
Stephan
Fünf lange Tage hockte ich hustend auf meiner Bude, und nahm in dieser Zeit auch gewaltige Umbauten
vor: Die Schreibtischlampe befindet sich jetzt auf der linken Seite des Schreibtischs, eine klare
Steigerung, und an meinem Wasserhahn ist ein neues und vor allem kalkfreies Sieb angebracht.
Außerdem gelang es mir endlich den Film "Fluch der Karibik" auszuleihen, und da ich zum
Zeitvertreib auch einige (naja, eigentlich zu viele) Korrekturen dabeihatte, waren diese fünf Tage
nicht ganz so öde, wie sie hätten sein können. Nun aber ist der Husten auf dem Rückzug, und wie
versprochen melde ich mich wieder.
Ich war in jenen Tagen auch ziemlich oft unausgeschlafen. Gut, das ist bei mir nicht wirklich
ungewöhnlich, immerhin bin ich ja, biorhythmisch betrachtet, ein Nachtmensch, und das bedeutet,
dass ich nach 22:00 Uhr oft der Meinung bin, Schlafen sei eine unverantwortliche Vergeudung von
Lebenszeit. Eine Einstellung, die ich schon oft um 6:00 Uhr am nächsten morgen bitterlich bereut
habe. Wie oft im Leben in G die Aussage "ich bin müde" in ihren verschiedenen Formulierungen und
Varianten (auch: Fehlerhäufigkeit) auftaucht, vermag ich nicht zu sagen, so große Zahlen kenne ich
nicht mehr. Aber ich brauche gerade mal ein Ausrede, warum ich das ein oder andere übersehen oder
unkommentiert gelassen habe. Und damit meine ich jetzt nicht, dass ich schon wieder einen Tag zu
spät dran bin (interessiert das eigentlich jemanden?), sondern zum Beispiel das achjährige
Jubiläum dieser kleinen Internettrubrik.
Und von wegen klein! Aber diesen Anlass könnte ich ebensogut aus einem inneren Unbehagen heraus
"vergessen" haben, denn siehe, acht Jahre in Garching, das finde ich beunruhigend. Ich meine, mal
ganz abgesehen davon, dass ich heute weniger Badewannen habe, als vor acht Jahren (obwohl,
zugegeben, der Wasserkocher besser ist), so muss ich mir doch allmählich die Frage stellen, was ich
hier eigentlich tue. Und was acht Jahre bedeuten, in einem Ort, in dem zu bleiben eigentlich nie
meine Absicht war, das muss ich mich auch fragen.
Und nun türmt sich auch noch das Jahr 2011 dräuend vor mir auf: Der Blick in den Kalender
enthüllt mir eine solche Fülle von Plänen und Terminen, dass dies auch ganz ohne Sinnfragen ein
ereignisreiches Jahr werden dürfte, wenn nicht ein stressiges. Die gemütlichen Tage gehen ihrem
Ende entgegen? Oder bin ich doch nur einfach müde?
Die Weisheit der Äonen lehrt und, dass die kleinen Dinge genießen sollte, wer von den großen
Sinnfragen Erholung sucht. Ich berichte also von kleinen Dingen, die mir in dieser Woche auch
auffielen, nämlich von den Mäusen im Garchinger U-Bahnhof, vor acht Jahren noch "das Loch in der
Mitte von Garching". Da unten wuschelt und wieselt es, es krabbelt und wabbelt, es knistert und
knabbert.
Kommt man abends spät in den U-Bahnhof (auch
das kam diese Woche mal vor) laufen die Mäuse bisweilen einfach so herum und kümmern sich nicht
groß um solch späten Besuch.
Es ist zwar nicht so, dass sei einem über die Füße laufen, aber doch
so, dass man zu dieser Idee spontan sagt: Noch nicht! Ich glaube, als Maus kann man da unten ganz gut leben.
Wenn ich betrachte, was ich selber täglich an Brotkrumen dort verliere, und das hochrechne auf die
gesamten U-Bahn-Passagiere, kommt schon was zusammen.
Wovon ich nicht erzähle: Kino und Finanzen, Autos und Neuigkeiten, Musik hier und in Brüssel,
Vitamine. Ich denke, statt des achten Geburtstages werde ich dann den 400. Eintrag feiern, auch der
ist nicht mehr so lange hin. Man hat mir in den letzten Monaten einen Dokumentationsspleen
attestiert. Wohlan!
Stephan
Jetzt hat mich die winterliche Erkätung doch noch erwischt, gerade
wo der Winter quasi vorbei ist. Ich sitze also zu Hause, huste mir
einen, und blicke zurück auf eine Woche, die im Wesentlichen
ereignislos war. Und ich habe gerade überhaupt keine Lust,
irgendwelche fröhlichen Tagebucheinträge zu verfassen, oder
die Leute mit den weniger fröhlichen zu nerven. Ich denke, ich
melde mich wieder, wenn ich nicht mehr huste. Vom literarischen
Standpunkt aus dürften die Ereignisse der Faschingszeit diese etwas
fastenmäßige thematische Ausrichtung wohl rechtfertigen.
Also bis bald!
Stephan
Schnipsel.
Gestern Morgen verließ ich meine Wohnung mit der Zeitung unter dem Arm, und ich hätte dabei bestimmt
wie ein Intellektuösel ausgesehen, wenn ich nicht so schlecht rasiert
gewesen wäre.
Momentan lasse ich meinen Bart ein bisschen wuchern, und jetzt hat er an
der Oberlippe genau die Länge, bei der ich mir selber in die Nase piekse, wenn ich die Lippen zum
Kuss spitze.
Doch das tat ich gerade nicht. Ich glaube eher, dass ich ein wenig schlurfte und vielleicht auch
etwas nachdenklich aussah in dem miesen regnerischen windigen Vormittagswetter.
Fasching.
Vermutlich hat auch meine Jacke ein wenig zerlumpt gewirkt, was mich aber bereits seit Jahren nicht
stört, und in der Faschingszeit schon mal gar nicht, wo sie gegenüber Sack und Asche doch noch eine klare
Steigerung darstellt.
Diese Jacke begleitet mich nun schon seit 2000 und ist mit mir an vielen
unaussprechlichen Orten gewesen; und sie hat - zumindest im Winter - nur sehr selten frei.
Eigentlich nur einmal im Jahr, nämlich dann, wenn ich sie für die Dauer eines Abends durch meinen
alten Mittelalterumhang ersetze. Solches geschah am letzten Samstag anlässlich des Faschingsballes
der freiwilligen Feuerwehr, bekannt als die beste Abtanzfete im Garchinger Jahreskreis. Dabei wäre
ich um ein Haar gar nicht hingegangen ...
Konfetti.
Es saßen nämlich am Samstagabend zwei rechtschaffen müde Gestalten in einer örtlichen
Lokalität, sozusagen mit vollem Bauch und leerem Kopf. Spricht die eine: "Ich muss zu diesem Ball
nicht unbedingt hin." Erwiedert die andere: "Ich auch nicht." Doch da man eine solche Veranstaltung
nicht leichten Herzens ignoriert, wird beschlossen, doch kurz hinzugehen, um wenigstens
festzustellen, dass sich die Sache nicht lohne. Gesagt, getan. Doch der Plan misslingt: Die eine
Gestalt lässt sich von der Lifemusik umstimmen, die da sagt: "La, lala, la laaaaaaa, la lalalala, ..."
(I will survive). Die andere wird von den Gästen überzeug: "Ihr. müsst. kommen." (Oder so
ähnlich.) Die beiden Gestalten
gehen nach Hause, doch nicht ins Bett, sondern an den Kleiderschrank, um alldorten kostümähnliche
Gewandungen zu finden, sich in selbige zu kleiden und den Ball wiederum aufzusuchen. Diesmal zum
tanzen. Jai!
Schnipsel.
In Neufahrn gibt es einen Gartenzaun, an dem ein Banner mit der Aufschrift "keine Landebahn"
angebracht ist. Das machte mich nachdenklich, denn ich wüsste nun gerne, ob dieses aufgrund schlechter
Erfahrungen mit den ständig dort notlandenden Flugzeugen angebracht wurde, oder ob es doch nur ein
Protest gegen den Bau der dritten Landebahn am Flughafen München sein soll (der, man beachte, nicht
mal in der Nähe von München liegt, sondern eher bei Erding, oder Freising). Das ist so ein
Bauprojekt, das trotz der Proteste vermutlich bessere Realisierungsaussichten hat, als der
Transrapid als Flughafenzubringer jemals hatte. In Garching ist diese dritte Startbahn, denn man
kann dort als Flugzeug natürlich auch starten, nicht so das Thema. Aber in Freising, wo ich mich ja
ab und zu auch mal rumtreibe, schon.
Schnipsel.
Freising hat übrigens ganz lustige Bushaltestellen. Sie sind sehr praktisch, weil der Name der
Haltetselle im Wartehäuschen groß und unübersehbar angeschrieben steht. Somit entfallen die
üblichen Orientierungsprobleme ortsfremder Besucher, die sich im Bus beim Abzählen der
Haltestellen verzählen, und dann entweder raten müssen, wo sie sind, oder dem Busfahrer auf die
Nerven gehen. Lustig werden die Wartehäuschen nun dadurch, dass unmittelbar unter dem Namen der
Haltestelle Platz für Werbeplakate ist, so das der angeschriebene Name durch den Titel der
Werbeplakate ergänzt wird. Mein derzeitiger Favorit ist "Epiphanias-Zentrum Mango" an der
Haltestelle Epiphanias-Zentrum.
Fasching.
Zum ersten Mal war ich dieses Jahr froh darüber, dass am Faschingsdienstag (anderswo
Veilchendienstag) nachmittags dienstfrei ist. Das beantwortete immerhin die letzthin etwas
drängende Frage, wann ich denn endlich mal wieder Wäsche wüsche.
Denn, ich gesteh's, unterhalb einer gewissen minimalen Stückzahl empfinde ich den Blick in die
Sockenschublade wie einen deutlich angeschlagenen Countdown. Faschingsdienstag war also die Antwort.
Natürlich bedeutet das auch,
dass ich wieder mal den Münchner Tanz der Marktweiber verpasst habe. Ich frage mich allmählich, ob
ich den wohl jemals sehen werde. Und dann wurde es Aschermittwoch, und Fasching lag wieder hinter
uns. Offiziell meine ich. Gefühlt war Fasching für mich bereits nach dem Feuerwehrball vorbei. Und
am Aschermittwoch in der Kirche begann dann auch gefühlt die Fastenzeit, und gestern morgen war
schließlich auch das Wetter mies. Obwohl, immerhin ist es wärmer geworden, und der Winter scheint
nun doch zu enden.
Schnipsel.
Ich arbeite ja bekanntlich für die Technische Universität München, die man trotz des Riesncampus
in Garching auf keinen Fall als Technische Universität Garching bezeichnen darf. Vor dem
Mathegebäude flattern auch immer brav die TUM-Flaggen. Sie flattern je nach Windrichtung mal nach
rechts, so dass man "TUM" liest, und mal nach links, so dass man "MUT" liest. Letzteres fand ich,
wie ich dort so entlangging, mit pieksendem Bart, zerlumpter Jacke und Zeitung, recht aufmunternd.
Stephan
Am Wochenende fuhren wir zu meinen Eltern nach Effeld, wo es einen runden Geburtstag zu feiern galt.
Und haben wir gefeiert! Bei dieser Gelegenheit probierte ich zum ersten Mal das Prinzip der
Internett-unterstützten Mitfahrgelegenheit aus: Man geht auf eine Seite im Netz und findet dort
Leute, die vielleicht dieselbe Strecke fahren (oder fast) und noch Plätze im Auto frei haben. So
brausten wir also am Freitagnachmittag über die deutschen Autobahnen Richtung Nordwesten, während
die Lokführergewerkschaft streikte (zumindest in München). Glück gehabt!
Die Rückfahrt am Sonntagnachmittag verlief nur unwesentlich komplizierter als die Hinfahrt. Bis
inklusive Samstag war keine Mitfahrgelegenheit aufzutreiben gewesen, dafür gab's dann am Sonntag
plötzlich eine, als wir uns schon damit abgefunden hatten, doch die Bahn zu nehmen. Die nahmen wir
dann tatsächlich, aber nur bis Aachen, von wo wir dann wieder mitfuhren. Großes Plus bei Hin- und
Rückfahrt: Das ist zwar nicht üblich, aber beide Male wurden wir praktisch bis vor die Haustüre
gebracht.
Soweit der Besuch bei meinen Eltern. Am Mittwochnachmittag steckte dann plötzlich eine meiner
Cousinen den Kopf zur Bürotür herein, nebst zwei Begleitern beiderlei Geschlechts. Die war übers
Wochenende in den Alpen Skifahren gewesen und nun auf dem Weg zurück Richtung Aachen, auch mit'm
Auto. Da konnte man schon ein wenig den Eindruck gewinnen, dass ich und meine gesamte Verwandschaft
in letzter Zeit wild in Deutschland herumfahren und die Luft verschmutzen.
Gestern machte ich dann wieder selber Besuche, nämlich erst beim Zahnarzt, der mir gewissermaßen
die Fresse polierte, und später dann im Kino. Der Film war "True Grit", und da konnte man nochmal
so richtig lernen, was "Fresse polieren" im übertragenen Sinne eigentlich bedeutet. Dass die
Geschichte damit endete, dass ich Dosenbier trinkend am Münchner Hauptbahnhof stand, ist
vielleicht auch noch erwähnenswert - wenn auch vor allem deshalb, weil ich seit Jahren kein
Dosenbier mehr getrunken hatte.
Und nun besuche ich mal meine eigene Wohnung und wünsche Euch allen ein frohes Karnevals- oder
Faschingstreiben.
Stephan